Frühes Fremdsprachenlernen
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Frühes Fremdsprachenlernen


Kinder von heute wachsen in eine Gesellschaft hinein, die ganz selbstverständlich mit unterschiedlichen Sprachen in ihrer Umgebung umgehen muss, sei es in der Stadt, im Dorf, in Kindergarten und Schule, sowie in der eigenen Familie. Sie lernen durch Fernsehen und Reisen schon früh andere Kulturen und Sprachen kennen und alle, die mit Kindern zu tun haben, müssen sich fragen, wie sie Kinder auf ihr Leben in dieser mobilen und internationalen Welt vorbereiten wollen.

Sprachen lernen ist in diesem Zusammenhang essentiell – nicht nur was die geistige Entwicklung der Kinder allgemein betrifft, sondern in Bezug auf den ganz praktischen Nutzen, den ein Kind für sein späteres Leben daraus ziehen kann.
„(...) Die Welt wird künftig in drei Gruppen zerfallen: die, die nur die Muttersprache sprechen, die, die Englisch und die Muttersprache sprechen, und die Elite, die noch eine weitere Sprache spricht. Wir können keine Vorbereitung auf Europa betreiben, wenn wir die Kinder nicht früh eine Zweitsprache lernen lassen.“ (Prof. Dr. Franz Emanuel Weinert. In Donata Elschenbroich: Das Weltwissen der Siebenjährigen. München, 2001.Seite 64)


Fremdsprachen verschaffen dem Kind neue Erfahrungen im sinnlich-ästhetischen Bereich, der sich mit allen Möglichkeiten der Wahrnehmung und Aufbereitung befasst. Sprachen und Kulturen verschaffen eine neue Art zu denken, fördern Kreativität, Sorgfalt und bessere Gedächtnisleistungen, fördern die Entwicklung der Kinder überhaupt. Nachweislich steigen beim Sprachunterricht im Immersionsmodell auch die schulischen Leistungen in anderen Fächern, wie zum Beispiel in Mathematik und in der Muttersprache.

Sport und Sprachen sind Lieblingsfächer



Studien zum frühen Fremdsprachen lernen belegen eine positive Auswirkung auf den affektiven Bereich mit positiven Einstellungen zu Sprachen, Kultur und Sprechern der betroffenen Sprachen und der Entwicklung von Selbstvertrauen. Nach Untersuchungen in Rheinland-Pfalz zu Lieblingsfächern in der Grundschule belegten die Fremdsprachen nach Sport den zweiten Platz. Kinder im Alter von sechs Jahren aus italienischen Versuchsgruppen hielten Sprachen lernen für leicht, sie fanden die Sprache attraktiv und hielten sich in der Lage sie zu sprechen. Im Gegensatz dazu zeigten ältere Kinder weniger Motivation, Gefühle von Unwohlsein und Abwehrhaltungen. In Schottland stellen Untersuchungen bei Vergleichsgruppen eine Überlegenheit in Aussprache und Intonation, Länge der Äußerung und im Gebrauch von Kommunikationsstrategien fest. (Christiane Blondin, et al. :Fremdsprachen für die Kinder Europas. Ergebnisse und Empfehlungen der Forschung. Berlin, 1998)

Nach vielfach übermittelten Erfahrungen von Lehrenden in der Grundschule, z.B. Kroatien, Slowakei, Deutschland (der Verfasserin sind Lehrende und Schulen mit diesen Erfahrungen bekannt), zeigen auch Schulversuche in Hamburg, betreut von Prof. Gogolin (mit Spanisch, Italienisch, Portugiesisch), dass Englisch als erste Sprache nicht immer vorteilhaft ist. Der kognitive Anregungsprozess beim Sprachen lernen funktioniert offenbar gründlicher, je weniger nah die Sprache, die man lernen muss, an der eigenen ist. Die größere Strukturdifferenz zwischen dem Deutschen und den romanischen Sprachen bewirkt offenbar, dass nachhaltiger gelernt wird. Damit erworbene „Sprachlernfähigkeiten“ sind eine bessere Basis für weiteres Sprachenlernen als der Beginn mit Englisch. (Ute Diehl: Early English, Francais Précoce,… In: Erziehung und Wissenschaft. 2/2002)

Mit dem Europäischen Sprachenportfolio Sprachwissen dokumentieren



Heute unternehmen viele Länder in der EU große Anstrengungen, den Sprachunterricht in die Grundschulen vorzuverlegen. Ausgangspunkt für die konkrete Umsetzung war der 1995 vorgestellte Plan der Europäischen Kommission, dass jeder Bürger neben der Muttersprache möglichst schon ab dem Kindergarten zwei weitere Sprachen lernen sollte. Diese Initiative hat in der Folge zweifellos das Bewusstsein für den Wert des Sprachen lernens verstärkt, auch wenn die konkrete Umsetzung in vieler Hinsicht Defizite aufweist. Die beabsichtigte Sprachenvielfalt ist z.B. leider viel zu selten realisiert worden. Meistens wird nur noch mehr und länger Englisch gelernt und die Chancen für andere Sprachen werden zu wenig wahrgenommen. Die verschiedenen Sprachen, die Kinder heute in die Grundschulen mitbringen, werden immer noch hauptsächlich als Hindernis gesehen und zu wenig als Chance begriffen, das Bewusstsein für Sprachen schon von Anfang an zu schärfen.

Das Europäische Sprachenportfolio, das in den Grundschulen richtig eingesetzt den Lehrenden dokumentieren kann, über welches Sprachwissen und welche Sprachbiografien schon Kinder in den Grundschulen verfügen, wird in der Zukunft die Wahrnehmung für das Sprachenlernen in den Grundschulen verstärken. Auch hier muss noch viel für die Implementierung getan werden.

Mit Lingoland motivieren



Deswegen sind Angebote wie die Kinderplattform Lingoland eine wichtige Ergänzung. Computer sind inzwischen so selbstverständlich geworden, dass keine besondere Begründung für ihren Einsatz in der Schule nötig ist. Mit Lingoland haben Kinder die Möglichkeit, sich spielerisch verschiedenen Sprachen zu nähern und selbstständig in geschütztem Rahmen etwas auszuprobieren. Die neuen Medien bieten die Möglichkeit, die Sprache ganz konkret zur Verständigung mit Kindern in anderen Ländern einzusetzen und so schnell den Nachweis praktischen Nutzens zu erbringen. Die Faszination des neuen Mediums mit vielerlei aktiven Beteiligungsmöglichkeiten verstärkt dabei sicher die Motivation. Die Schulen sollten dies nutzen und in den Unterricht einbeziehen. Die Möglichkeit, Muttersprachler zu hören und über das Ohr die eigene Aussprache zu optimieren, ist ein weiteres wichtiges Argument.

Dass dabei das Sprachenlernen mit dem Computer eingebunden sein muss in ein ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen, versteht sich von selbst. Die Verknüpfung von vielen Lernbereichen, die der Computer quasi per Mausklick möglich macht, eröffnet den Kindern den Blick auf eine komplexe Welt. Sie können einen Lerngegenstand von verschiedenen Seiten betrachten und vergleichen und Vorhaben z.B. auf ihre politischen, geografischen und sozialen Auswirkungen untersuchen. Diese Vernetzung des Denkens schließt in einer demokratischen Gesellschaft eine kritische Distanz zu den Informationen und Möglichkeiten des Netzes ein. Gemeinsam mit Klassenkameraden über die Informationen im Netz zu diskutieren und sie zu bewerten, ist unabdingbar für ein selbstständiges Urteilsvermögen.

Angebote wie Lingoland sollen daher von den Schulen wahrgenommen werden, weil sie zwei wesentliche Bereiche schulischen Lernens verbinden: Sprachen und Computer.

Gerlinde Massoudi
Goethe-Institut, München

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